Selbst ist das Frauchen? (oder Herrchen)

Es gibt eine schier unübersehbare Anzahl von Büchern zum Thema Homöopathie. Auch im Netz findet man sofort viele, viele Ratschläge für homöopathische Mittel bei allen möglichen Krankheiten.

Als Profi sehe ich das ein bißchen mit gemischten Gefühlen.
Einerseits war das genau auch mein Weg, zur Homöopathie zu kommen. Einfach, weil ich viel zuviele Tiere unter normaler, schulmedizinischer Behandlung verloren hatte.
Andererseits weiß ich, dass das Risiko, mit nicht passenden Mitteln dem Tier unter Umständen erheblichen Schaden zuzufügen, mit der Dauer der Mittelgabe stark ansteigt.

Als Beispiel möchte ich nur mal die Fälle erwähnen, wo CNI-kranken Katzen in Foren Equisetum empfohlen wurde – und diese Katzen plötzlich Epilepsie entwickelten.
Wenn man dann nicht weiß, woher das auf einmal kommt und wie man da wieder herauskommt, ist es eine Katastrophe für das betroffene Tier.

Ich kenne auch Fälle, wo ein Tier eine schlichte Halsentzündung hatte, das Herrchen irgendwelche Mittel gegeben hat, und das Tier nach einigen Wochen unter starkem Asthma litt.
Und dann gibt es auch die Fälle, wo man über Monate mit vielen verschiedenen Mitteln versuchte, seinem Tier zu helfen – bis es auf gar nichts mehr ansprach und die ursprüngliche Krankheit immer schlimmer wurde und selbst heftige schulmedizinische “Hämmer” nicht mehr halfen.

Es gibt die Sage, dass man mit der Homöopathie niemals etwas falsch machen könne, weil es keine Nebenwirkungen gäbe. “Es kann nur nutzen, niemals schaden”.
Das ist FALSCH!

Normalerweise will man dringend, dass irgendeine Krankheit verschwindet, zum Beispiel Durchfall.
Also sucht man mal eben im Netz und findet z.B. Nux vomica. Das gibt man dann seinem Tier, gerne in der C30, weil man das ja so gelesen hatte. Jeden Tag, einfach die trockenen Kügelchen. Nun dauert es vielleicht eine Weile, einige Wochen, weil der Durchfall partout nicht verschwinden will. Der wird vielleicht sogar erstmal schlimmer und ist dann begleitet von Bauchkrämpfen.
Irgendwann hat man es dann doch geschafft und der Durchfall ist weg.
Nach einiger Zeit erbricht das Tier unaufhaltsam. Nux vomica hilft überhaupt nicht. Das Erbrechen wird blutig, bis es nur noch reines Blut ist. Der Tierarzt stellt Magenkrebs fest.
Dieser Magenkrebs wurde durch die dauernde Gabe von Nux vomica in dieser hohen Potenz ausgelöst.

Es gibt den berühmten Fall von Mrs. Kent, die wegen ihrer Symptome Lachesis bekam. Verschiedene Behandler gaben ihr immer und immer wieder dieses Mittel. Bis ihr linker Arm unheilbar gelähmt war.

Man kann also Krankheiten auch lediglich unterdrücken. Die Symptome mögen verschwinden, die Krankheit (im Sinne von gestörter Lebenskraft) aber bleibt, sie zieht sich nur nach innen zurück und richtet dort unter Umständen großes Unheil an.

Das zweite ist, dass homöopathische Mittel bei entsprechender Dosierung Symptome und Krankheiten auslösen können. Der Grund liegt darin, dass homöopathische Mittel dem Organismus mitteilen, was er bitte tun solle.

Seit Jahrhunderten und auch heute noch findet man so heraus, was ein Stoff bewirken kann: der gesunde Prüfer nimmt jeden Tag ein potenziertes Mittel -gewöhnlich in der C30- und wartet, bis sich Symptome zeigen. Das nennt man Arzneimittelprüfung. Dann wird sofort die Einnahme des Mittels gestoppt!

Diese Symptome, die so bei einem gesunden Menschen erscheinen, sind dann meist auch die, die es bei einem entsprechend Kranken heilen kann. Das sind die Prüfungssymptome.
Um auf den obigen Fall zurückzukommen: das arme Tier, das so lange Nux vomica bekommen hat, hat eine exzessive Arzneimittelprüfung gemacht. Bis zum bitteren Ende.

In diesen ganzen Homöopathiebüchern wird sogenannte “Kochbuch-Homöopathie” beschrieben.
Das Tier hat dieses? Dann geben Sie jenes. Dreimal täglich 5 Kügelchen.
Sowas kann funktionieren, zumal in einem akuten Notfall – aber bei Beschwerden, die länger als wenige Tage andauern, kann man seinem Tier damit auch schlimme Probleme bereiten.

Ich rate also dringendst davon ab, dieser Unschädlichkeits-Sage zu glauben.
Und was hundert Tieren in einem Forum augenscheinlich erstmal gut geholfen hat, kann bei Ihrem Tier vielleicht Epilepsie oder gar Krebs auslösen.
Sie selbst würden ja auch nicht irgendein Herzmedikament nehmen, weil das der Nachbarin ihrer Großcousine geholfen hat, sondern gehen lieber zum Arzt, der Ihnen das für Sie passende Mittel verschreibt, oder? 😉



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